Schlaganfall

1. Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall (auch Hirninfarkt, Gehirnschlag oder englischsprachig Stroke genannt) ist eine plötzlich (schlagartig) auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn. Die Folge ist ein Absterben von Nervenzellen.

In Deutschland ereignen sich etwa jährlich 240.000 Schlaganfälle pro Jahr. Dies sind über 500 Patienten pro Tag. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Ihm kommt damit eine enorme Bedeutung für unser Gesundheitssystem, für unsere Gesellschaft und natürlich jedem einzelnen Patienten durch Behinderung, Frühberentung, Arbeitsausfall und sozialer Schädigung zu.

Rund 80% der Schlaganfallpatienten sind über 60 Jahre alt, dennoch kann ein Schlaganfall in jedem Alter auftreten und immer wieder sind auch junge Menschen oder Kinder betroffen.

2. Wie entsteht ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall kann durch Mangeldurchblutung (80 % der Schlaganfälle) oder durch eine Hirnblutung (20 % der Schlaganfälle) auftreten.

Eine Mangeldurchblutung entsteht durch Blutklümpchen (Embolus oder Thrombus), die ein Blutgefäß im Gehirn wie ein Pfropfen verschließen. Ein Blutklümpchen kann zum Beispiel durch Kalkablagerungen an Verengungen der Halsschlagadern (Arteriosklerose) oder infolge eines unregelmäßigen Herzschlages (Vorhofflimmern) entstehen. Verschließt ein Blutklümpchen ein Blutgefäß, kann das Blut nicht mehr zu den Nervenzellen fließen und diese mit Sauerstoff versorgen. Hierdurch entsteht eine Mangelversorgung des Gehirns mit Sauerstoff (Ischämie).

Im Fall einer Hirnblutung reißt oder platzt ein Blutgefäß im Gehirn. Das in das umliegende Hirngewebe austretende Blut drückt dann auf die empfindlichen Nervenzellen und schädigt diese.

Für beide Ursachen gilt, dass bereits nach wenigen Minuten Nervenzellen unwiederbringlich geschädigt werden. Deshalb zählt beim Schlaganfall jede Minute.

3. Schlaganfall oder flüchtige Durchblutungsstörung?

Als definitiven Schlaganfall bezeichnet man einen in der Computertomographie oder der Kernspintomographie des Gehirns nachweisbare Durchblutungsstörung, die zumeist mit mehr als 24 Stunden anhaltenden Ausfallerscheinungen (siehe 3.) einhergeht. Von einer flüchtigen Durchblutungsstörung (Transitorisch ischämische Attacke [TIA], „kleiner“ Schlaganfall) spricht man, wenn die Ausfallserscheinungen weniger als 24 Stunden anhalten und im Gehirn keine Durchblutungsstörung nachweisbar ist. Hinsichtlich der Untersuchungsmethoden als auch der Behandlung unterscheidet sich jedoch der Schlaganfall nicht von einer TIA.

4. Akutdiagnostik

Besteht die Vermutung eines Schlaganfalles, so ist umgehend der Rettungsdienst zu verständigen. Das Rettungsdienstpersonal führt eine erste orientierende Untersuchung zur Überprüfung des Verdachtes durch, überprüft die lebenswichtigen Funktionen des Herzschlages, des Blutdruckes, des Blutzuckers und der Atmung und leitet ggf. eine erste Behandlung zu deren Aufrechterhaltung ein. Ist der Patient stabil, so wird er schnellstmöglicht (mit „Sonder-Wegerechten“) in die nächstgelegene Klinik mit neurologischer Abteilung, bzw. mit Erfahrung in der Behandlung von Schlaganfällen transportiert. Darüber, welche Klinik angefahren wird, entscheidet der Rettungsdienst.

In der Klinik aufgenommen, wird zunächst eine körperliche Untersuchung durch den aufnehmenden Arzt und eine Blutentnahme erfolgen. In der Regel erfolgt noch von der Notaufnahme aus eine Computertomographie des Kopfes. Ein akuter Schlaganfall ist hierin häufig erst nach einer gewissen Zeit beginnend abgrenzbar, dies erlaubt dem Arzt eine gewisse Abschätzung über die Dauer der bestehenden Minderversorgung des Hirnbereiches. Die Computertomographie ist wichtige Voraussetzung für die Planung einer anschießenden Akutbehandlung.

CT_Aufnahme 

CT-Aufnahme bei einem Schlaganfallpatienten. Dieser Patient stellte sich frühzeitig nach Symptombeginn in der Notaufnahme vor. Der Schlaganfall ist im Bild noch nicht zu sehen.

Spezielle Untersuchungsmethoden mit Kontrastmittel erlauben den Ärzten eine Beurteilung des Ausmaßes der Durchblutungsstörung:

CT Perfusion

Erweiterte CT-Bildgebung beim obigen Patienten: Im Bereich der rechten Hirnhälfte (linksseitig im Bild entspricht der rechten Patientenseite) findet sich ein großer, rot eingefärbter Bereich. Dieser zeigt eine deutliche Minderdurchblutung der rechten Hirnhälfte an.

 

5. Akutbehandlung

Es stehen prinzipiell zwei Behandlungsverfahren bei akutem Schlaganfall durch einen großen Gefäßverschluss zur Verfügung: Die sog. intravenöse Thrombolyse, eine medikamentöse Behandlung, bei der ein starker Blutverdünner intravenös verabreicht wird und mit dem Blutstrom den Gefäßverschluss im Kopf erreicht. Hierbei ist zu erhoffen, dass das verstopfende Gerinnsel durch das Medikament aufgelöst wird. Diese Behandlung kann in Krankenhäusern mit hierfür speziell ausgebildetem Personal durchgeführt werden. Die Behandlung steht somit in allen Partnerkliniken des Schlaganfallnetzwerkes Schleswig-Holstein zur Verfügung. Die intravenöse Thrombolyse erfolgt auf einer Schlaganfallspezialstation ("Stroke Unit") unter spezieller Überwachung des Betroffenen.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die sogenannte Thrombektomie (auch mechanische Rekanalisation oder interventionelle Katheterbehandlung). Hierbei wird nach Punktion eines Leistengefäßes ein Katheter über die Hauptschlagader vorgeschoben. Das Verfahren gleicht also einem Herzkatheter. Die Methode ist für den Patienten schmerzlos. Der Katheter kann bis zum betroffenen hirnversorgenden Gefäß vorgeschoben werden. Durch Gabe von Röntgenkontrastmittel sieht der behandelnde Arzt (ein Neuroradiologe) unter Röntgendurchleuchtung die Hirngefäße und somit auch das verschlossene Gefäß.

Thrombektomie

Angiographie vor Thrombektomie: Im Bereich des roten Kreises befindet sich das verschlossene Gefäß, welches normalerweise einen Großteil der rechten Hirnhälfte versorgt (mittlere Hirnschlagader). Es handelt sich um den gleichen Patienten aus den obigen Bildern.

Thrombektomie

Angiographie nach Thrombektomie: Man erkennt, dass das mittlere Hirngefäß nun wieder frei durchflossen ist.

Scchlaganfall MRT

MRT (Kernspintomographie) nach Thrombektomie: Erkennbar ist das durch die vorübergehende Durchblutungsstörung geschädigte Hirnareal (rot eingekreist). Auch erkennbar ist jedoch, dass im Vergleich zum oben gezeigten minderdurchbluteten Bereich der jetzt geschädigte Hirnbereich wesentlich kleiner ist. Wäre das Gefäß nicht wiedereröffnet worden, so hätte sehr wahrscheinlich ein großer Schlaganfall der rechten Hirnhälfte resultiert. Der Patient konnte erfreulicherweise mit einer kaum mehr spürbaren Beeinträchtigung nach Hause entlassen werden.

 

Wichtig ist, dass diese Behandlungen nur in einem sehr engen Zeitfenster von wenigen Stunden nach Symptombeginn zur Verfügung stehen. Es ist daher unbedingt notwendig, dass der Patient sofort per Rettungswagen in die nächstgelegene Klinik mit Möglichkeit einer umgehenden Schlaganfallbehandlung verlegt wird.

6. Weiterbehandlung auf einer Schlaganfallspezialstation

Nach einer erfolgten Behandlung wird der Patient auf eine Schlaganfallspezialstation aufgenommen. Hier erfolgt eine Überwachung des Patienten. Es werden Blutdruck, Blutzucker, Atmung, Temperatur und die neurologische Symptomatik ständig überwacht und bei Bedarf durch gezielte Behandlung korrigiert. Zudem können erneut auftretende Schlaganfälle rasch erkannt werden. Aus Studien wissen wir, dass diese Maßnahmen das Behandlungsergebnis verbessern und damit eine spätere Behinderung reduzieren oder vermeiden können. Auf den Stationen arbeitet speziell ausgebildetes Personal aus Neurologen, Pflegepersonal, Sprachtherapeuten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Sozialdienstmitarbeitern. Schlaganfallspezialstationen ("Stroke-Units") werden von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft zertifiziert, was eine laufende Überprüfung von Qualitätsmerkmalen bedeutet. Somit ist auf allen Schlaganfallspezialstationen eine hohe Behandlunsgqualität gesichert. Alle Schlaganfallstationen im Schlaganfallnetzwerk Schleswig-Holstein sind von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft zertifiziert.

Nach einer unterschiedlich langen Überwachungszeit erfolgt die Verlegung auf eine neurologische Normalstation oder direkt in eine Rehabilitationsklinik. Bestehen nur noch geringe oder keine Beschwerden nach dem Schlaganfall, so ist auch eine ambulante Weiterbehandlung durch den Hausarzt möglich.